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Bio Baumwolle in Indien mit Gentechnik - endlich !
Michael Miersch kann der Aufregung um Gentechnik-Baumwolle in Bio-Kleidung nichts abgewinnen - außer einer kecken Idee, die er am Ende unterbreitet. Ich stimme dem Autor aus vollem Herzen zu, danke für die Genehmigung zum Abdruck und verweise gerne auf www.achgut.com!
O sole bio
Von Michael Miersch
http://www.welt.de/die-welt/debatte/article5959919/O-sole-bio.html
24. Januar 2010
Sorgen haben die Leute. Die großen Textilhandelsketten regen sich mächtig auf, weil Spuren von gentechnisch veränderter Baumwolle in Kleidungsstücken gefunden wurden, die in Deutschland als “bio” vermarktet werden. Die Firma Tchibo nennt es einen “GAU”. C&A-Vertreter sprechen von “Kriminalität” und haben eine Delegation zum Ermitteln nach Indien geschickt. H&M lässt seine Ware in Labors prüfen. Alle geben sich empört. Worin aber besteht dieser Skandal? Hat jemand einen Schaden erlitten? Gentechnisch verbesserte Bt-Baumwolle unterscheidet sich im T-Shirt durch nichts von der herkömmlichen. Allerdings ist die ökologisch vorteilhaft, weil die Bauern beim Anbau 41 Prozent weniger Insektengift einsetzen. Obendrein verbrauchen sie weniger Land, weil die Bt-Baumwolle 37 Prozent mehr Ertrag auf gleicher Fläche liefert. Die Bezeichnung “bio” für die Bt-Baumwolle wäre also durchaus gerechtfertigt.
Skandalös ist allenfalls das Bio-Marketing. Gutgläubigen Kunden wird damit das Geld aus der Tasche gezogen, weil sie glauben, Ware mit Bio-Aufkleber sei etwas Besseres. Ein Glaube, der sich besonders hartnäckig hierzulande hält, wo man der Bevölkerung einredet, in einem Gen-freien Biotop zu leben. Im deutschen Bio-Krähwinkel interessiert man sich nicht für Fakten oder dafür, was sich im Rest der Welt so tut. Gibt man bei Google die Wörter “Baumwolle” und “Indien” ein, kommen reihenweise die seit Jahren widerlegten Lügengeschichten, in Indien würden Bauern durch Gentechnik in den Selbstmord getrieben. Das Gegenteil ist wahr: Trotz teureren Saatgutes erzielen die Landwirte mehr Gewinn. Eine Untersuchung von Agrarökonomen der Universität Göttingen hat ergeben, dass die Bt-Baumwolle enorm zur Armutsminderung beigetragen hat. Pro Hektar nimmt ein Bauer 99 Euro mehr ein. Gerechnet auf die Gesamtfläche der Bt-Baumwolle in Indien sind dies über 700 Millionen Euro. Dazu kommen indirekte Gewinne für Landarbeiter und die Beschäftigten in Transport und Handel. 60 Prozent dieser Einkommenssteigerung entfallen auf Haushalte unterhalb der Armutsgrenze. Indiens Bauern treffen die richtige Wahl und sind offenbar wesentlich aufgeklärter als deutsche Mode-Händler, die laut “Financial Times” nach Bio-Baumwolle “gieren”.
Baut sie euch doch selbst an, möchte man ihnen zurufen’ und lasst Indiens Bauern die Früchte des Fortschritts genießen. Weniger als ein Prozent der weltweiten Baumwollproduktion ist “bio”. Die gentechnisch verbesserten Sorten haben sich überall durchgesetzt. Dreiviertel der indischen Ernte bestehen daraus, in anderen Anbauländern wie Argentinien, Südafrika oder Australien sind es über 90 Prozent. In den Vereinigten Staaten liegt der Anteil bei 86 in China bei 68 Prozent. Der Rummel um Öko-Fashion in Deutschland scheint global wenig Eindruck zu hinterlassen. So ziemlich alles, was wir tagtäglich an Baumwollprodukten benutzen, ob T-Shirt, Tampon oder Euro-Geldschein, besteht größtenteils aus Bt-Baumwolle, und das schon seit Jahren. Niemand hat davon einen Pickel oder einen Schnupfen bekommen.
Die künstliche Aufregung um Gentechnik-Baumwolle in deutschen Bio-Socken zeigt nur eines: dass sich bestimmte Milieus in diesem Land immer weiter von der Aufklärung entfernen und einer Öko-Religion anhängen, die durch kein Argument zu erschüttern ist. Ach übrigens: Wenn Sie sich vor der Gentechnik in Euro-Scheinen fürchten: Wenden Sie sich an mich. Ich entsorge sie gern.
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