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- 24.1.2010: Bio Baumwolle in Indien mit Gentechnik - endlich !
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- 15.12.2009: Innovationen - für oder gegen die Gesellschaft?
- 12.8.2009: blog."und sie dreht sich doch!"
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Gentechnologiepolitik grundsätzlich überdenken
23.6.2010 von admin.
Hier eine Pressemitteilung, die wir im Rahmen der Verhandlung über die Verfassungsmäßigkeit des Gentechnikgesetzes vor dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) veröffentlicht haben.
Presseinformation
Gentechnologiepolitik grundsätzlich überdenken
Halle (Saale) – 23.06.2010. Anlässlich der Verhandlung über die Verfassungsmäßigkeit des Gentechnikgesetzes vor dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in Karlsruhe appelliert die BIO Mitteldeutschland (BMD) an die Bundesregierung, ihre Gentechnikpolitik grundsätzlich zu überdenken.
„Ob sich die Pflanzenbiotechnologie in Deutschland durchsetzt oder nicht, wird nicht alleine vom Verfassungsgericht entschieden“, so Dr. Jens Katzek, Geschäftsführer der BMD. Denn dem BVerfG geht es nicht darum, zu prüfen, ob eine gesetzliche Regel gut oder schlecht ist oder ob die befürchteten wirtschaftlichen Auswirkungen eingetreten sind oder nicht. Einzige Aufgabe des Gerichts ist es, zu prüfen, ob die Einschränkungen durch das Gesetz so weit gehen, dass Grundrechte der Bürger in unverhältnismäßiger Art und Weise berührt sind.
Von Unternehmen und Wissenschaft wurde vor fünf Jahren befürchtet, dass das neue Gentechnikgesetz dazu führt, dass die Pflanzenbiotechnologie keine Chance in Deutschland bekommt. Die Realität zeigt, dass diese Einschätzung (leider) richtig war. Die Schere zwischen Deutschland und dem Rest der Welt klafft immer weiter auseinander. Während überall neue Produkte entwickelt und neue, spannende Forschungsprojekte gestartet werden, ist es in Deutschland ruhig geworden. Es ist bezeichnend, dass in den USA eine gentechnisch veränderte Zuckerrübe innerhalb von nur zwei Jahren den Markt mit 90 Prozent Marktanteilen geradezu erobert hat – eine Zuckerrübe, die von dem deutschen Saatgutunternehmen KWS in Einbeck entwickelt worden ist.
Um dieses Auseinanderdriften nicht noch weiter zu forcieren, müssen die politischen Rahmenbedingungen geändert werden. Wir brauchen eine Umkehr der Gentechnikpolitik, unabhängig davon, wie Karlsruhe entscheidet. Ein Blick auf die letzten fünf Jahre zeigt:
· Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) hat weltweit weiterhin dramatisch zugenommen. Während weltweit 2005 ca. 90 Millionen Hektar angebaut wurden, waren es in 2009 schon 134 Millionen Hektar, ein Plus von fast 50 Prozent! Seit 1997 wurde weltweit die unglaubliche Zahl von fast einer Milliarde Hektar angebaut (zum Größenvergleich: Ein Fußballfeld besitzt die Größe von knapp einem Hektar).
· Der GVP-Anbau findet mehr und mehr in Schwellenländern wie Brasilien, China und Indien statt. Greenpeace-Klagen in Brasilien haben die Zulassung dort über Jahre hinweg verzögert. Mit dem Ergebnis, dass Landwirte (illegal) Saatgut aus Argentinien einschmuggelten. Heute rangiert Brasilien (legal) an zweiter Stelle im weltweiten Anbau mit 21,4 Millionen Hektar – hinter den USA.
· Die Einsicht ist gestiegen, dass wir schlicht einen höheren Ertrag bei Pflanzen benötigen. Forderungen nach einer stärkeren Nutzung nachwachender Rohstoffe und Bio-Energien sowie die Frage nach dem möglichen Konflikt zwischen „Brot für den Tank“ und „Brot für den Teller“ waren hierfür die Grundlage. Auch den Herausforderungen des Klimawandels (Stichwort Trockenresistenz) wird man ohne neue Züchtungserfolge nicht begegnen können.
· Firmen werden, trotz schärfster interner Qualitätskontrollen, immer wieder mit formaljuristischen Kniffen drangsaliert; Landwirte werden aus den gleichen Gründen gezwungen, ihre Felder umzupflügen; und diejenigen, die gentechnisch verbesserte Pflanzen anbauen, sehen sich oft mit einer Hexenjagd aus Telefonterror, Diskriminierung, Feldzerstörung, Sachbeschädigung, Drohungen und wirtschaftlicher Erpressung konfrontiert.
· Unternehmen haben in den letzten Jahren eine Reihe von Forschungszentren in Indien oder China errichtet beziehungsweise sind Forschungskooperationen dort eingegangen – und nicht in Deutschland. So etwas können wir uns als Forschungsstandort schlicht und einfach nicht leisten.
· Viele Forscher haben sich aus der praxisorientierten Forschung zurückgezogen, wurden von Vorgesetzten „zurückgepfiffen“ oder führen Freilandversuche außerhalb Deutschlands durch.
Aus diesen Gründen der Appell an Frau Bundesministerin Ilse Aigner und die Bundesregierung, die Gentechnikpolitik endlich grundlegend zu überdenken.
BIO Mitteldeutschland GmbH
Die BIO Mitteldeutschland GmbH ist ein Zusammenschluss von etwa 15 Firmen und Institutionen, die im Bereich der Biotechnologie aktiv sind und sich zum Ziel gesetzt haben, diese Zukunftstechnologie in Sachsen-Anhalt und in Kooperation mit den Partnern in den anderen Ländern in Mitteldeutschland weiter zu entwickeln.
Ansprechpartner: Dr. Jens Katzek, BIO Mitteldeutschland GmbH, Franckestr. 3, 06110 Halle (Saale), Tel.: 0345 – 2798352, Fax: 0345 – 2798356, katzek@biomitteldeutschland.de, www.biomitteldeutschland.de
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To Find a Drop of Water in Lake Michigan - New GM Crops and Their Asynchronous Approval: Implications for International Trade
7.5.2010 von admin.
A report of a discussion during the BIO convention at Chicago
By Jens Katzek
No-one seriously doubts that global trade is an essential of the wealth created over the last forty years in countries we used to number in the “third world.” They are today some of the most powerful economies on earth. And 10 percent of all merchandise traits are agricultural products. Agricultural innovations are also without doubt essential to address the demands and challenges of the future.
How do we bring these facts in line with national sovereignty, to decide which products should be on a country’s markets according to national regulation? One way is through harmonization of regulation. But the kind and amount of regulation is not only based on science, it is also a question of culture, tradition, vested interests and readiness to take risks. The U.S. government would not authorize a product just because it is approved in Brazil. Countries will defend and assert their sovereignty.
When the European Union needs 13 years to finally permit growing the Amflora potato, a plant in which the expression of only a single and naturally occurring gene was blocked, we have a problem. One can imagine the challenges when stacking different genes and traits becomes more popular. Today we have nine crops authorized for planting. There will be some 25 in four years. The theoretical number of possible combination is then 250.000! Even if only one percent of these stacked traits will be of interest for the market we still have 250 products. No regulatory system in the world is ready for this.
The only answer therefore seems to be tolerance thresholds. What we request from our neighbors and in our family can be also the guidance for international trade. In concrete terms this means, that a realistic threshold for low level presence (LLP) of GMOs in non-GM seeds and commodities is imperative as long as we have disharmonized authorization systems in different countries. The Global Adventitious Presence Coalition and the International Grain Trade Coalition encouraged countries to utilize the Codex Alimentarius Annex of Food Safety Assessment in situations of low level presence. Codex decided recently on recommend standards for these thresholds. The EU, however, has not yet approved the Codex position.
How urgent such a tolerance is, becomes obvious when we have a look at the quantity of agricultural products traded on a global scale. We talk about more than a billion tons! If simply considering the size of the necessary infrastructure everyone understands why zero tolerance is not possible in a global economy. Today we have already tolerance for almost everything in our seeds and feed and food – but not for GMOs.
Sometimes practical things show that theoretical discussions will not help. In only one Panamax vessel on a ship you will find corn from some 1900 trucks. How could one implement here a zero tolerance? Painful, practical experience has shown again and again that this is simply impossible. Just recently corn dust was found in soy imports in the EU. Because of microscopic dust on the soy the entire vessel load was rejected. The EU feeding industry calculated that it lost 5 Mrd. € because they were obliged to use sub optimal feed during the last year.
An anecdote reported during the meeting was that the European Commission and some Member States are funding the same organizations which are attacking any adaptation of the existing regulation to face the challenges described above. Don’t ask for the logic behind this.
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Solidarität mit Ernesto … Nein, nicht Che Guevera
1.5.2010 von admin.
Genauso so sicher wie die Unruhen zum 1. Mai in Berlin mit Straßenschlachten zwischen Autonomen und der Polizei enden, genauso sicher kann man sein, alle paar Monate eine neue Horrorgeschichte über die unkalkulierbaren Gefahren der Gentechnik zu lesen. Viele seriöse Wissenschaftler haben es mittlerweile aufgegeben, sich zu Wort zu melden, weil sie das Gefühl haben, es interessiert sowieso niemand.
Ernesto Bustamante ist da anders. Er will einfach nicht hinnehmen, dass selbsternannte Propheten das Land in dem er lebt, Peru, auf der Basis von Gerüchten herunterwirtschaften.
Deshalb hat er es gewagt, in einem Zeitungsinterview Horrorszenarien über das illegale Auftreten von gentechnisch verändertem Mais in Peru kritisch zu hinterfragen (s. die Übersetzung des Artikel unten).
Bereits vor einigen Monaten wurde er deshalb angeklagt - wegen Diffamierung! Nur weil er es gewagt hat, Antonietta Gutiérrez Rosati öffentlich zu widersprechen. Sein Verbrechen? Genauso wie Frau Rosati auf eine Veröffentlichung in einem wissenschaftlichen Journal verzichtete, gab auch Bustamante einer Tageszeitung ein Interview, in dem er auf die methodischen Fehler ihrer Arbeit einging.
Vor wenigen Tagen wurde Ernesto Bustamante nun „schuldig“ gesprochen und darf Lima ohne die Erlaubnis des Gerichts nicht mehr verlassen, muss sich wie ein auf Bewährung Verurteilter regelmäßig beim Gericht melden und eine Geldstrafe von 1800 $ zahlen.
Es ist schier unglaublich, welche Qualitäten die Debatte mittlerweile erreicht haben. Vor kurzem noch hatte der Bolivianischen Präsidenten Morales allen Ernstes behauptet, der Verzehr von Gen-Mais mache schwul und führt zu Glatzenbildung. Normalerweise würde man über solch einen Unsinn lachen. Aber wenn es ein Staatspräsident sagt, sieht die Sache schon anders aus. Offensichtlich schürt er damit eine Stimmung, in der kritische Gegenstimmen auch gleich mundtot gemacht werden können.
Derzeit läuft eine Unterschriftenaktion um gegen die Verurteilung von Ernesto Bustamante zu protestieren. Ich möchte alle bitten, sich an dieser Aktion zu beteiligen unter:
https://spreadsheets.google.com/viewform?formkey=dHJ3T2stY3VKZk5YUVhZNFd3UWdfc1E6MA&ifq
ANHANG
Übersetzung des Artikels (den Orginalartikel in Spanisch stelle ich auf Nachfrage gerne zur Verfügung (katzek@biomittelkdeutschland.de)):
Are transgenics already being grown in our country?
El Comercio, 23.3.2008
Ernesto Bustamante, Dean, College of Biology
In November, a journalist exposed in El Comercio, that a biologist from the National Agricultural University of La Molina had realized laboratory tests which ‘proved’ the existence of illegal transgenic maize in the valley of Barranca. This journal report did not show results nor referenced any article published in a scientific journal (which is an ethical requirement for any scientist who will divulge their results via the media). Rather, as any the only support provided was that an ecologist from the same university stated, ‘if she said so, then it is true, especially if she has done the analysis.” That is, the principle of authority was used, instead of the Aristotelian scientific karma– I am a friend of Plato, but I am a better friend of Truth.
Weeks after the article was published in the paper, the researcher made her results public via a technical-political report. This lacked the strict standards of all scientific publications (materials and methods, results and discussion, bibliography, coauthors, source of funds, declaration of conflicts of interest) and was received by the Conam [National Enviromental council] and INIA [National Institute for Agricultural Research] for study, and it passed on to scientists who studied it independently. A month ago, INIA issued its findings on the study, and Conam had it reviewed by three experts. These institutions have not published their conclusions.
Some weeks ago, I spoke with a journalist responsible for the evaluation of the materials used for the original newspaper article, and a colleague of mine let me know that our evaluation had made it to the Rector’s office of the National Agricultural University of La Molina. The author had two absurdly improbable conclusions a) the simultaneous presence of three transgenic events from two different companies (a gene for resistance to the herbicide glyphosate; a gene for resistance to another herbicide glufosinate, and a Bt gene for resistance to a lepidopteran insect. b) having found transgenics in 30% of the crops. This is even more serious, given that one of the two companies has not commercialized its seeds.
These false and incoherent conclusions can be explained by the fact that the report has grave errors in procedure and quality control (absence of positive standards, wrong interpretation of the amplicons, etc.). I do not know if transgenic maize is being grown in Peru; maybe yes, maybe no. It is also possible that Martians are alive and well in Barranca; maybe yes, maybe no. What is certain is that no one has proven that there are transgenic crops in Barranca or in any part of Peru (except for experimentals). Not yet. Given this sequence of personal and institutional ineptitude, a false truth has been generated and disseminated internationally. This should have been corrected by the investigator, the reporter, the ecologist, the politicized Conam, INIA, or the University. Nevertheless, I see with unease that each time a false truth is promulgated as a done deed, it gets used as a tool by those ideological and pseudoenvironmental groups that use their anticorporate stances to torpedo the important role that modern biotech should play as a developmental tool for Peru. This is a clear example of why the proposed ministry to which we pretend to entrust the cares of the environment must be free of political influence, and must depend on scientists of a free mind that can evaluate, from a strict technical view point, the environmental impact of the projects underway.
(Dank an Wayne Parrott für die Übersetzung !)
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Tröpfchen, für Tröpfchen … …. So kommen wir zu einfachen Wahrheiten
15.3.2010 von admin.
Auf die These „Die Erde ist eine flache Scheibe“ werden die meisten von uns vermutlich antworten mit : „Was für ein Unsinn!“
„Christoph Columbus hat Amerika entdeckt?“
Schnell kommt ein „Logo!“ Und nach einem kurzen Zögern vielleicht noch: „Das heißt: Waren die Wikinger nicht 500 Jahre früher da? …. Puh, noch mal Glück gehabt.“
„Gene sind giftig?“ Na klar, tönt es selbstbewusst zurück, und wieder hat man das Gefühl im Quiz des Wissens die nächste Stufe des Erfolgs erklommen zu haben.
Diese Selbstsicherheit darf nicht wirklich überraschen, wenn man sich vergegenwärtigt, wie subtil diese Botschaft mittlerweile unter die Menschen gebracht wird. Aktuelles Beispiel ist eine „Studie“ der Verbraucherzentrale, die von der BILD Zeitung (vom 12.3.10) begierig aufgegriffen worden ist. „ Diese Zusätze können sie krank machen“ heißt es schon auf Seite 1. Und der Beweis? „Die Stoffe könnten (sic!) gentechnisch hergestellt worden sein.“ Ach so. Dann ist ja alles klar.
Aber mit der Bewertung wird es ja auch immer schwerer. Es ist nicht wirklich erstaunlich, dass von Seiten der Ökobranche und der Umweltorganisationen die Zulassung der gentechnisch veränderten Amflora-Kartoffel nicht gebilligt wurde. Aber bei der Begründung kommt auch die Kritikergemeinde langsam durcheinander. Als dreist wertet Prinz zu Löwenstein, seines Zeichens Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) die Grenzwertregelung, „obwohl Amflora gar nicht für den Verzehr geprüft oder zugelassen ist.” Zeitgleich beschwert sich Greenpeace in seinem EinkaufsNet: ”Die Kartoffel, die eigentlich nur für technische Produkte wie Kleister genutzt werden soll, hat auch eine Zulassung für Tierfutter und Lebensmittel erhalten”. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass die Unternehmensseite eigentlich tun kann was sie will - sie bekommt auf jeden Fall ”Prügel”. Vor allen Dingen dann, wenn sie das sonst so hochgehaltene Vorsorgeprinzip ernst nimmt. Denn eine Sicherheitsüberprüfung vorzunehmen, die man für sein Produkt eigentlich nicht braucht, die man aber trotzdem durchführt, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, sollte doch eigentlich Lob hervorrufen. Aber weit gefehlt.
Das nicht überraschende Ergebnis dieser Form der modernen Gehirnwäsche zeigt sich schon bei 10. Klässlern. Eine von ihnen hat in einem Zeitungsvolontariat ihren Beitrag überschrieben mit: „Möglicher Zusammenbruch durch Genmanipulation“. Konkrete Fakten hierfür hat die Schülerin in ihrem ansonsten gut recherchierten Beitrag nicht vorweisen können. Dafür bleibt es beim Allgemeinen („Doch Achtung …Fehler sind vorprogrammiert und die Auswirkungen, welche die Gentechnik auf den Menschen und die Umwelt haben könnte, sind weder zeitlich noch räumlich ermessbar“). Und auch die Lösung aller Probleme ist auch schon „einprogrammiert“: „Wie kann ich als Verbraucher gentechnisch manipulierte Lebensmittel vermeiden? Lebensmittel aus Ökolandbau oder mit dem Siegel “ohne Gentechnik” sind frei von manipulierten Genen.“
Wussten wir es doch! Vielleicht blieben wir doch lieber bei den alten Wahrheiten?
Wie zum Beispiel, dass die Erde eine flache Scheibe ist.
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Bio Baumwolle in Indien mit Gentechnik - endlich !
24.1.2010 von admin.
Michael Miersch kann der Aufregung um Gentechnik-Baumwolle in Bio-Kleidung nichts abgewinnen - außer einer kecken Idee, die er am Ende unterbreitet. Ich stimme dem Autor aus vollem Herzen zu, danke für die Genehmigung zum Abdruck und verweise gerne auf www.achgut.com!
O sole bio
Von Michael Miersch
http://www.welt.de/die-welt/debatte/article5959919/O-sole-bio.html
24. Januar 2010
Sorgen haben die Leute. Die großen Textilhandelsketten regen sich mächtig auf, weil Spuren von gentechnisch veränderter Baumwolle in Kleidungsstücken gefunden wurden, die in Deutschland als “bio” vermarktet werden. Die Firma Tchibo nennt es einen “GAU”. C&A-Vertreter sprechen von “Kriminalität” und haben eine Delegation zum Ermitteln nach Indien geschickt. H&M lässt seine Ware in Labors prüfen. Alle geben sich empört. Worin aber besteht dieser Skandal? Hat jemand einen Schaden erlitten? Gentechnisch verbesserte Bt-Baumwolle unterscheidet sich im T-Shirt durch nichts von der herkömmlichen. Allerdings ist die ökologisch vorteilhaft, weil die Bauern beim Anbau 41 Prozent weniger Insektengift einsetzen. Obendrein verbrauchen sie weniger Land, weil die Bt-Baumwolle 37 Prozent mehr Ertrag auf gleicher Fläche liefert. Die Bezeichnung “bio” für die Bt-Baumwolle wäre also durchaus gerechtfertigt.
Skandalös ist allenfalls das Bio-Marketing. Gutgläubigen Kunden wird damit das Geld aus der Tasche gezogen, weil sie glauben, Ware mit Bio-Aufkleber sei etwas Besseres. Ein Glaube, der sich besonders hartnäckig hierzulande hält, wo man der Bevölkerung einredet, in einem Gen-freien Biotop zu leben. Im deutschen Bio-Krähwinkel interessiert man sich nicht für Fakten oder dafür, was sich im Rest der Welt so tut. Gibt man bei Google die Wörter “Baumwolle” und “Indien” ein, kommen reihenweise die seit Jahren widerlegten Lügengeschichten, in Indien würden Bauern durch Gentechnik in den Selbstmord getrieben. Das Gegenteil ist wahr: Trotz teureren Saatgutes erzielen die Landwirte mehr Gewinn. Eine Untersuchung von Agrarökonomen der Universität Göttingen hat ergeben, dass die Bt-Baumwolle enorm zur Armutsminderung beigetragen hat. Pro Hektar nimmt ein Bauer 99 Euro mehr ein. Gerechnet auf die Gesamtfläche der Bt-Baumwolle in Indien sind dies über 700 Millionen Euro. Dazu kommen indirekte Gewinne für Landarbeiter und die Beschäftigten in Transport und Handel. 60 Prozent dieser Einkommenssteigerung entfallen auf Haushalte unterhalb der Armutsgrenze. Indiens Bauern treffen die richtige Wahl und sind offenbar wesentlich aufgeklärter als deutsche Mode-Händler, die laut “Financial Times” nach Bio-Baumwolle “gieren”.
Baut sie euch doch selbst an, möchte man ihnen zurufen’ und lasst Indiens Bauern die Früchte des Fortschritts genießen. Weniger als ein Prozent der weltweiten Baumwollproduktion ist “bio”. Die gentechnisch verbesserten Sorten haben sich überall durchgesetzt. Dreiviertel der indischen Ernte bestehen daraus, in anderen Anbauländern wie Argentinien, Südafrika oder Australien sind es über 90 Prozent. In den Vereinigten Staaten liegt der Anteil bei 86 in China bei 68 Prozent. Der Rummel um Öko-Fashion in Deutschland scheint global wenig Eindruck zu hinterlassen. So ziemlich alles, was wir tagtäglich an Baumwollprodukten benutzen, ob T-Shirt, Tampon oder Euro-Geldschein, besteht größtenteils aus Bt-Baumwolle, und das schon seit Jahren. Niemand hat davon einen Pickel oder einen Schnupfen bekommen.
Die künstliche Aufregung um Gentechnik-Baumwolle in deutschen Bio-Socken zeigt nur eines: dass sich bestimmte Milieus in diesem Land immer weiter von der Aufklärung entfernen und einer Öko-Religion anhängen, die durch kein Argument zu erschüttern ist. Ach übrigens: Wenn Sie sich vor der Gentechnik in Euro-Scheinen fürchten: Wenden Sie sich an mich. Ich entsorge sie gern.
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